Einleitung des Rettungsmanövers
Sobald eine Person über Bord fällt, rufst du laut Mann über Bord, wirfst einen Rettungsring und kuppelst sofort aus. Dadurch verhinderst du, dass die Person in den Propeller gerät.
Das Schreckensszenario auf dem Wasser erfordert eine sofortige und automatisierte Reaktion. Fällt eine Person ins Wasser, zählt jede Sekunde. Deine allererste Handlung am Steuerrad ist das Auskuppeln. Du ziehst den Gashebel augenblicklich in die Neutralstellung. Dieser Schritt ist überlebenswichtig, da die rotierende Schraube des Außenborders oder Innenborders die größte Gefahr für die verunglückte Person darstellt. Erst wenn der Propeller stillsteht, ist diese unmittelbare Bedrohung gebannt.
Gleichzeitig mit dem Griff zum Gashebel rufst du laut und deutlich "Mann über Bord!". Dieser Ruf dient nicht nur dazu, den Prüfer von deiner Aufmerksamkeit zu überzeugen, sondern alarmiert die gesamte Crew. Im Ernstfall müssen alle an Bord wissen, was passiert ist. Unmittelbar danach wirfst du ein Rettungsmittel, meist einen Rettungsring oder einen Fender, in die Nähe der Person. Bei der SBF-Praxisprüfung wird ohnehin ein Fender oder eine Boje als Übungsobjekt ins Wasser geworfen.
Während du diese ersten Schritte durchführst, ist es essenziell, den Blickkontakt zum Verunglückten beziehungsweise zur Boje nicht zu verlieren. Auf dem Wasser verliert man einen kleinen Punkt in den Wellen extrem schnell aus den Augen. Teile, wenn möglich, einem fiktiven Crewmitglied die Rolle des Ausgucks zu, indem du "Beobachte die Person im Wasser!" rufst. Nachdem das Boot durch seine Restenergie noch etwas weitergeglitten ist und du sicher bist, dass das Heck mit der Schraube weit genug von der Person entfernt ist, kannst du den Motor wieder einkuppeln, um das eigentliche Fahrmanöver für die Rückkehr vorzubereiten.
Der richtige Kurs zur Rettung
Du fährst nach dem Auskuppeln eine Tropfenform oder die Q-Wende, um wieder auf Gegenkurs zu gelangen. Wichtig ist, dass du dich der Person am Ende immer gegen den Wind näherst.
Sobald die unmittelbare Gefahr durch den Propeller gebannt ist und du wieder eingekuppelt hast, musst du das Boot wenden, um zur verunglückten Person zurückzukehren. Hierfür bieten sich in der Prüfungspraxis vor allem zwei Manöver an: die Tropfenform und die Q-Wende. Welche Variante du wählst, hängt oft von deinen Vorlieben und den Platzverhältnissen ab.
Bei der Tropfenform fährst du zunächst in einem Winkel von etwa 45 bis 60 Grad vom ursprünglichen Kurs weg. Nach einer kurzen Distanz leitest du eine weite Kurve in die entgegengesetzte Richtung ein, bis du den Über-Bord-Gegangenen wieder direkt vor dir hast. Die Q-Wende ist ähnlich, erinnert aber in ihrem Fahrwasser an den Buchstaben Q. Du lenkst hart zu der Seite, auf der die Person ins Wasser gefallen ist, fährst einen fast vollständigen Kreis und steuerst dann auf die Zielmarkierung zu.
Das absolute Kernkriterium für dieses Manöver – unabhängig davon, ob du die Prüfung auf einem ruhigen Binnensee oder bei windigen Bedingungen machst, etwa wenn du deinen Sportbootführerschein in Schleswig-Holstein absolvierst – ist die Annäherung gegen den Wind. Du musst den Kurs so planen, dass der Wind beim finalen Zufahren auf die Person genau von vorne kommt. Näherst du dich mit dem Wind im Rücken, wird dein Boot unweigerlich auf die Boje geschoben, selbst wenn du den Motor bereits ausgekuppelt hast. Ein Manöver mit dem Wind führt fast immer zu einem Kontrollverlust beim Aufstoppen und gilt in der Prüfung als schwerer Fehler. Plane deinen Bogen also großzügig genug, um das Boot sauber in den Wind stellen zu können.
Das Aufnehmen der Person
Stoppe das Boot etwa einen halben Meter neben der Person auf, sodass es fast stillsteht. Vor dem physischen Aufnehmen musst du den Motor zwingend wieder auskuppeln, um Verletzungen zu vermeiden.
Die finale Phase des Manövers erfordert viel Gefühl für das Boot und seine Bewegungsenergie. Du fährst nun im langsamen Tempo, genau gegen den Wind, auf die Person beziehungsweise den Rettungsring zu. Das Ziel ist es, das Boot so zum Stehen zu bringen, dass sich die Person auf Höhe des Fahrerstandes befindet, idealerweise mit einem halben Meter Sicherheitsabstand zur Bordwand.
Dafür nimmst du rechtzeitig das Gas weg und lässt das Boot im Leerlauf auf die Zielmarkierung zugleiten. Kurz bevor die Boje die Bugspitze erreicht, legst du für ein bis zwei Sekunden den Rückwärtsgang ein. Dieser kurze Schub bremst das Boot ab. Man nennt diesen Vorgang Aufstoppen. Sobald das Boot im Wasser quasi stillsteht, folgt der wichtigste Moment, der in der Aufregung oft vergessen wird: Bevor du oder ein Crewmitglied sich über die Reling beugt, um die Boje aufzunehmen, musst du den Motor zwingend wieder auskuppeln.
Der Schalthebel muss sich in der Neutralstellung befinden. Begleite diese Handlung mit einem lauten und deutlichen Ruf: "Motor ist ausgekuppelt!". Erst nach diesem Ruf darf die Person geborgen werden. Egal wo du deine praktische Ausbildung machst, ob bei einem Anbieter für den Sportbootführerschein in Berlin oder auf dem Rhein, diese Regelung ist absolut universell. Wer versucht, den Fender aus dem Wasser zu ziehen, während der Propeller noch dreht, fällt sofort durch. Der Prüfer achtet penibel darauf, dass die Gefahr einer tödlichen Verletzung durch die Schiffsschraube bei der eigentlichen Bergung zu hundert Prozent ausgeschlossen ist.
Typische Fehler in der Prüfung
Die häufigsten Durchfallgründe sind das Überfahren der Boje und ein vergessenes Auskuppeln am Ende des Manövers. Achte auch darauf, nicht zu schnell an die Person heranzufahren.
Das Rettungsmanöver ist der Teil der praktischen SBF-Prüfung, bei dem die meisten Prüflinge durchfallen. Die Gründe dafür sind meistens auf Nervosität oder eine fehlerhafte Einschätzung der Umweltbedingungen zurückzuführen. Der schlimmste Fehler, der unmittelbar zum Nichtbestehen führt, ist das Überfahren der Boje. Wenn der Rumpf oder gar der Propeller den Fender berührt, gilt das als fatale Gefährdung der verunglückten Person. Dies passiert meistens, weil sich der Fahrschüler mit dem Wind anstatt gegen den Wind nähert.
Ein weiterer Klassiker unter den Fehlern ist ein zu hohes Tempo bei der Annäherung. Wer zu schnell an die Person heranfährt, kann das Boot nicht rechtzeitig aufstoppen. Das Boot gleitet dann einfach an der Boje vorbei und befindet sich außer Reichweite für die Bergung. Lass dir Zeit beim Zufahren, nutze die Bremswirkung des Windes und kupple lieber einmal zu früh aus und lass dich treiben, als zu aggressiv ans Ziel zu schießen.
Besonders an Standorten mit starker Strömung oder viel Schiffsverkehr, wie es oft beim Sportbootführerschein in Hamburg der Fall ist, lassen sich Prüflinge leicht aus der Ruhe bringen. Vergiss in der Hektik niemals das abschließende Auskuppeln, bevor die Boje an Bord geholt wird. Wenn der Motor beim Hochheben des Fenders noch im Vorwärts- oder Rückwärtsgang ist, bricht der Prüfer die Übung sofort ab. Nimm dir vor dem Manöver einen Moment Zeit, atme tief durch, prüfe die Windrichtung anhand der Wellen oder Flaggen und fahre den Kurs dann konzentriert und methodisch ab.
Wenn du dich optimal auf alle Theorie- und Praxisfragen vorbereiten möchtest, probiere gerne unsere App zur Bootsprüfung aus.



