Das Lateralsystem: Rote und grüne Tonnen erklärt
Das Lateralsystem markiert die Fahrwassergrenzen mit roten und grünen Tonnen. Rote Tonnen stehen an der Backbordseite, grüne an der Steuerbordseite des Fahrwassers.
In Europa und vielen anderen Teilen der Welt gilt das sogenannte IALA-A-System zur Befeuerung und Betonnung von Fahrwassern. Dieses Lateralsystem dient dazu, die seitlichen Grenzen eines Fahrwassers eindeutig zu markieren, damit du als Bootsführer genau weißt, wo das tiefe und sichere Wasser verläuft. Das Grundprinzip ist dabei sehr logisch aufgebaut, erfordert für die SBF-Prüfung aber sicheres Auswendiglernen der Formen und Farben.
Die Markierung orientiert sich immer an der sogenannten Einlaufrichtung. Das bedeutet: Wenn du von See kommst und in ein Fahrwasser, einen Fluss oder einen Hafen einläufst, befindet sich die Backbordseite des Fahrwassers links und die Steuerbordseite rechts von dir. Auf der Backbordseite findest du rote Tonnen. Diese sind in der Regel als stumpfe Tonnen (Zylinder) ausgeführt und tragen gerade Nummern. Wenn du in der Nacht unterwegs bist, leuchten oder blinken sie mit einem roten Feuer.
Auf der Steuerbordseite hingegen stehen grüne Tonnen. Diese sind spitz zulaufend (Spitztonnen) geformt und mit ungeraden Nummern versehen. Ihr Nachtsignal ist ein grünes Feuer. Wenn du beispielsweise für deinen Sportbootführerschein in Hamburg auf der Elbe fährst, wirst du dieses System ständig antreffen, da die großen Seeschifffahrtsstraßen lückenlos lateral betonnnt sind.
Zusätzlich gibt es noch besondere Abzweigtonnen. Wenn sich ein Fahrwasser teilt, kommt eine Tonne mit horizontalen roten und grünen Streifen zum Einsatz. Die Farbe, die oben liegt (oder breiter ist), zeigt an, welches das durchgehende oder wichtigere Hauptfahrwasser ist. Ist der oberste Streifen rot, liegt das Hauptfahrwasser an der Backbordseite dieser Tonne, und du folgst idealerweise diesem Weg. Für die Prüfung musst du diese Zuordnungen inklusive der Formen im Schlaf beherrschen.
Kardinalzeichen: Gefahrenstellen richtig umfahren
Kardinalzeichen zeigen an, an welcher Seite eine Gefahrenstelle sicher passiert werden kann. Sie sind gelb-schwarz lackiert und tragen eindeutige Toppzeichen.
Während das Lateralsystem ganze Fahrwasserwege absteckt, haben Kardinalzeichen eine völlig andere Aufgabe: Sie warnen dich vor konkreten Gefahrenstellen wie Untiefen, Schiffswracks, Steinen oder Buhnen, die sich unter der Wasseroberfläche befinden. Der Name „Kardinal“ leitet sich von den vier Himmelsrichtungen (Kardinalpunkten) ab. Das System zeigt dir nicht an, wo die Gefahr ist, sondern in welcher Himmelsrichtung von der Tonne aus das sichere Wasser liegt. Ein Nord-Kardinalzeichen sagt dir also: „Fahre nördlich an mir vorbei, hier ist das Wasser tief genug.“
Kardinaltonnen sind immer gelb und schwarz lackiert. Um die Himmelsrichtungen sicher unterscheiden zu können, tragen sie markante schwarze Toppzeichen in Form von zwei Dreiecken. Die Ausrichtung dieser Dreiecke spiegelt die Farbverteilung am Tonnenkörper wider. Beim Nordzeichen zeigen beide Spitzen nach oben (die Tonne ist oben schwarz und unten gelb). Beim Südzeichen zeigen beide Spitzen nach unten (oben gelb, unten schwarz). Beim Ostzeichen zeigen die Spitzen voneinander weg, was an ein Ei erinnert (schwarz mit gelbem Band in der Mitte). Beim Westzeichen zeigen die Spitzen aufeinander zu und bilden eine Art Sanduhr oder Wespentaille (gelb mit schwarzem Band in der Mitte).
Wer in Küstengewässern navigiert, etwa beim Sportbootführerschein in Mecklenburg-Vorpommern in den flachen Boddengewässern, muss diese Gefahrenstellen blind erkennen. Nachts helfen dir weiße Blitzfeuer bei der Orientierung. Die Taktung lässt sich hervorragend mit einem Zifferblatt der Uhr merken: Das Ostzeichen blitzt dreimal (wie 3 Uhr), das Südzeichen sechsmal plus einen langen Blitz (6 Uhr), das Westzeichen neunmal (9 Uhr) und das Nordzeichen funkt ununterbrochen.
Einzelgefahren- und Mitte-Fahrwasser-Zeichen
Einzelgefahrenzeichen markieren isolierte Hindernisse, die man an allen Seiten umfahren kann. Mitte-Fahrwasser-Zeichen zeigen sicheres Wasser um die Position herum an.
Neben den Lateral- und Kardinalzeichen gibt es Markierungen für sehr spezifische Navigationssituationen. Das Einzelgefahrenzeichen markiert ein isoliertes Hindernis – beispielsweise einen einzelnen großen Felsen, ein kleines Wrack oder eine enge Untiefe –, das von allen Seiten sicher passiert werden kann. Das Wasser um diese Tonne herum ist tief genug für die Schifffahrt.
Optisch erkennst du das Einzelgefahrenzeichen an seiner schwarzen Grundfarbe, die von einem oder mehreren breiten horizontalen roten Streifen durchbrochen wird. Als Toppzeichen trägt es zwei schwarze Bälle, die vertikal übereinander angeordnet sind. In der Nacht sendet diese Tonne ein weißes Blitzfeuer aus, das in einer Zweiergruppe blitzt (Fl(2)). In der Theorie- und Kartenprüfung musst du genau wissen, dass du zwar an jeder Seite vorbeifahren darfst, aber einen angemessenen Sicherheitsabstand einhalten solltest, um nicht genau über die markierte Gefahr zu steuern.
Das Mitte-Fahrwasser-Zeichen (auch Ansteuerungstonne genannt) hat genau die entgegengesetzte Bedeutung. Es signalisiert dir, dass sich um die Tonne herum schiffbares Wasser befindet. Oft wird es genutzt, um die Mitte eines großen Schifffahrtsweges anzuzeigen oder um den Übergang von der offenen See in ein betonntes Fahrwasser (Ansteuerung) zu markieren. Diese Tonne ist auffällig rot und weiß vertikal gestreift. Als Toppzeichen besitzt sie einen einzigen roten Ball. Wenn sie nachts befeuert ist, zeigt sie ein ruhiges, weißes Licht, oft ein Gleichtaktfeuer, ein Unterbrechungsfeuer oder einen langen Blitz. Diese ruhige Kennung unterscheidet sie deutlich von den hektischeren Blitzfeuern der Gefahrenzeichen und gibt dem Navigator ein sicheres Gefühl beim Ansteuern eines Hafens.
Sonderzeichen und ihre Bedeutung
Gelbe Sonderzeichen weisen auf besondere Gebiete wie Sperrgebiete oder Messgeräte hin. Für die SBF-Prüfung musst du wissen, dass sie nicht primär der Navigation dienen.
Sonderzeichen nehmen im Betonnungssystem eine Ausnahmestellung ein, denn sie dienen nicht in erster Linie der direkten Navigation von A nach B, sondern weisen auf besondere Gebiete oder Anlagen hin. In der Praxis und für die SBF-Prüfungsfragen musst du wissen, dass diese Zeichen Bereiche markieren, die oft nicht befahren werden dürfen oder besondere Vorsicht erfordern.
Die Farbgebung der Sonderzeichen ist immer ein durchgehendes Gelb. Auch das Toppzeichen, sofern eines vorhanden ist, ist markant: Es besteht aus einem gelben, liegenden Kreuz (X). Nachts führen befeuerte Sonderzeichen ausschließlich ein gelbes Licht, dessen Taktung sich deutlich von den weißen Lichtern der Navigationszeichen unterscheidet.
Mit Sonderzeichen werden unterschiedlichste Zonen gekennzeichnet. Das können Messgeräte für Ozeanografie, militärische Sperr- oder Schießgebiete, Warngebiete oder auch Rohrleitungen und Seekabel sein, bei denen das Ankern streng verboten ist. Auch auf Binnenseen, beispielsweise wenn du deinen Sportbootführerschein in Bayern absolvierst, grenzen diese gelben Tonnen oft Naturschutzgebiete, Wasserski-Strecken oder Badezonen ab.
Für die SBF-Prüfung ist es extrem wichtig zu verinnerlichen, dass ein Sonderzeichen je nach Kontext ein absolutes Fahrverbot bedeuten kann. Wenn du in der Kartenaufgabe eine gelbe Tonnenreihe siehst, die ein Sperrgebiet markiert, darfst du deinen Kurs unter keinen Umständen durch dieses Gebiet planen. Ein solcher Fehler in der Navigationsprüfung führt unweigerlich zu Punktabzug oder im schlimmsten Fall zum Nichtbestehen.
Lernstrategien für die SBF-Prüfungsfragen
Nutze Eselsbrücken und visuelle Karteikarten, um Formen und Farben der Tonnen zu verinnerlichen. Wiederhole gezielt die Navigationsaufgaben, da dort Sichtzeichen zwingend gefordert werden.
Das Einprägen der zahlreichen Tonnen, Farben, Toppzeichen und Kennungen kann anfangs überwältigend wirken. Mit den richtigen Lernstrategien und ein paar bewährten Eselsbrücken wird das Auswendiglernen für die SBF-Prüfung jedoch deutlich einfacher.
Für das Lateralsystem hilft dir folgender Spruch: „Das Herz schlägt links und ist rot.“ So merkst du dir, dass an Backbord (links, wenn man in Fahrtrichtung blickt) die roten Tonnen liegen. Da rote Tonnen stumpf sind, kannst du dir das „R“ von Rot und das stramme Aussehen eines Zylinders zusammen einprägen. Steuerbord (grün) verbindest du am besten mit der spitzen Tonnenform (Spitztonne) und den ungeraden Zahlen.
Bei den Kardinalzeichen ist die visuelle Vorstellung entscheidend. Das West-Zeichen (zwei Spitzen zeigen zueinander) formt eine Wespentaille, was mit dem Buchstaben „W“ für West harmoniert oder aussieht wie ein Weinglas. Das Ost-Zeichen (Spitzen zeigen voneinander weg) formt ein Ei, was gut zur Eselsbrücke „Osterei“ oder dem englischen „East“ passt. Die Lichtsignale prägst du dir zwingend mit dem Zifferblatt einer Uhr ein: 3 Uhr (Ost), 6 Uhr (Süd), 9 Uhr (West) und 12 Uhr (Nord, Dauerblitz).
Um diese Konzepte wirklich zu festigen, solltest du dir visuelle Karteikarten anlegen. Zeichne die Tonnen selbst mit Buntstiften auf – der motorische Akt des Zeichnens verankert die Form und Farbe tief im Gedächtnis. Wiederhole besonders die praktischen Navigationsaufgaben intensiv. In der Kartenaufgabe der Prüfung musst du die Sichtzeichen nicht nur erkennen, sondern deinen Kurs so berechnen, dass du sicher daran vorbeikommst. Ein Fehler bei der Tonnenidentifikation führt dort unweigerlich zu einem falschen Kurs.
Wenn du dein Wissen testen und dich optimal vorbereiten möchtest, probiere die interaktiven Fragebögen auf bootspruefung.app aus.



